Das Geständnis

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Rodney hatte bis zu dem Moment, als er die Stimme im Radio hörte, nicht bemerkt, dass John seinen Namen noch nie zuvor laut ausgesprochen hatte. Es war mit leiser Stimme, aber als er zum Fenster hinaufblickte, konnte Rodney die Umrisse von Johns Gesicht am Himmel sehen, als er vom Balkon aus auf die Stadt hinunterblickte. Gerade als ihm das klar wurde, konnte er Johns Herzschlag und seinen eigenen hören.

Rodney wusste schon vor John, dass John etwas Besonderes war. Dass John ihn liebte. Er hatte es eines Nachts gesagt, als sie nebeneinander lagen, Johns Kopf auf Rodneys Schulter gebettet, Johns Augen geschlossen und die Worte wie ein Gebet, ein Lied, ein Gedicht von seinen Lippen fielen. Ein Lied, das ungehört blieb, als er mit John in seinen Armen dalag, ein Lied mit ihm, als es in Rodneys Kopf spielte. 

Es war das Lied, das er für John geschrieben hatte, als sie sich zum ersten Mal trafen. Das Lied, mit dem ihre Freundschaft begann und das schließlich verstummte und Rodney und John allein ließ, mitten in einem langweiligen Schreibtischjob, das Ende des Universums über ihnen schwebend. John hatte ihn angelächelt und Rodney lächelte zurück, aber er wusste, dass es nicht etwas war, das John sagen würde. Er hatte es für einen Witz gehalten und war gegangen, um nach Hause zu gehen. Aber dann war John plötzlich nicht mehr auf den Knien an seiner Seite und starrte mit Tränen im Gesicht auf den Boden. Er war nicht in einem Krankenhausbett, nicht am Rande eines Gebäudes und wartete auf den Aufzug, der ihn auf sein Stockwerk bringen sollte. Und Rodney hatte nicht gewusst, was er tun sollte.

John war nie in der Lage gewesen, seinen Namen laut auszusprechen. 

Als Rodney ankam, war er gerade dabei mit John über ein Projekt zu sprechen, das durchgeführt werden sollte. John hatte mit der Hand abgewunken und gesagt, dass er eine Auszeit brauche. Rodney nickte und folgte ihm in sein Zimmer und sagte John, dass er sich wahrscheinlich ausruhen sollte. Er wusste nicht, was mit ihm los war, aber er hörte dort nicht auf. 

Nun saß er mit überschlagenen Beinen auf dem Bett und sah John an, der mit dem Rücken zu Rodney saß. Rodney hatte kein Wort gesprochen, seit sie angekommen waren. Als er aufblickte, hatte sich John umgedreht, um ihn anzusehen, aber er schien sich über die Worte nicht aufzuregen. Er schien die leichte Traurigkeit in Rodneys Augen nicht zu bemerken, als er die Hand ausstreckte, um sein Gesicht zu berühren.

“Es tut mir leid, Rodney”, sagte John und sah seine Hand mit einer leichten Traurigkeit in den Augen an, “es tut mir leid, dass ich nicht da war. Mir tut alles leid.” 

Johns Worte ließen Rodney einen Schauer über den Rücken laufen. Er konnte nichts sagen. Er sah nur John an, der auf die Wand vor ihnen starrte, ein Blick, der fast seine Tränen verloren zu haben schien. Und dann sagte er: “Du hast Recht”, und Rodney fühlte, wie sein Gesicht rot wurde: “Ich bin wohl einfach nur müde. Es war ein langer Tag.” 

Und dann küssten sie sich und es dauerte nicht lange, aber für Rodney reichte es, dass er wusste, dass John ihn nicht anlügen würde, dass die Worte nicht ungehört bleiben würden. Für ihn waren sie genug gewesen, und das war der Punkt. Sie waren nie getrennt gewesen, und Rodney genügte es, zu wissen, dass sie geliebt wurden. Er wollte nie glauben, dass John ihn nicht auch liebte. Es hatte immer bedeutet, wenn John seinen Namen sagte, dass es manchmal mehr bedeutete, aber John hatte es nie, konnte es nie. So sagten sie es gemeinsam, wobei sie sich langsam voneinander entfernten, und dann sah John Rodney in die Augen, und dann küsste er ihn noch einmal. 

Rodneys Verstand funktionierte nach diesem Kuss immer noch nicht, aber er musste ein Wort einlegen. Er konnte sich nicht einmal dazu durchringen, John zu bitten, seinen Namen noch einmal zu wiederholen, denn sie küssten sich, und das war alles, was zählte, denn John sprach nicht und Rodney küsste ihn und in seinem Bauch setzte sich dieses warme, zufriedene Gefühl fest, von dem er nicht gemerkt hatte, dass er es zuvor gehabt hatte. 

Und dann zog John sich zurück und schaute auf ihre Hände hinunter, “Ich liebe dich”, sagte er, und Rodney konnte ihn nur anstarren, die Augen offen und John in die Augen schauend, die nicht traurig oder unglücklich oder besorgt aussahen. Es waren einfach nur sie, wie immer. Er spielte mit Johns Fingern, drückte sie und gemeinsam gingen sie zurück in ihr Quartier, ihr Zuhause.

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