Die Pandemie – Teil II

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Das Licht war blendend. 

Tom wachte auf wie immer, stand auf, blinzelte Blut aus den Augen und rieb sich die Augen. Er hielt inne, sah sich um und kämpfte gegen die Umstände an. 

Es war die beste Wand. Zu viele Risse, zu viele Löcher, um hindurchzufallen. Und doch hatten sie sie. Jahrelange dem Weltraum ausgesetzt sein hatten den Beton rissig gemacht. Dicke schwarze Farbe, die Farbe von… Tod. Das gleiche Schwarz wie die Wände, die steile Felswand hinauf zum gegenüberliegenden Himmel, wo jeder, der mutig genug war, es zu sehen, wusste, dass es fast vorbei war. Die Erde war blau. 

Auf der anderen Seite des Raumes stand ein leerer, inaktiver Pillenbehälter. Wie lange hatte er dort schon gelegen? Stunden? Tom kratzte am schwachen Umriss an der Wand. Verwirrt schaute er nach unten. 

Nur die erbärmliche kleine Plakette, auf der die Pillen einst standen. 

Es folgt eine weitere Stille. Stunden… Tage… …Monate… Wie lange war es her, dass er gegessen hatte? Er brauchte die Pillen oder noch schlimmer, er musste mit jemandem reden. Er schielte auf die Plakette. Monat… …Tag? 

Genau dann klarten seine Augen auf. “Ein Segen!” 

Solange er sich erinnern konnte, war es das Einzige, woran er gedacht hatte. Jedes Mal, wenn er daran dachte, war er vor Aufregung ganz aus dem Häuschen. Hier war eine von der Regierung vorgeschriebene Methode, ohne Komplikationen Unterhaltung zu schaffen. Zumindest dachte er das bis jetzt. Er wusste, dass ihm in den letzten 6 Monaten die Flaschen nicht ausgegangen waren, ganz und gar nicht. Es war das 21. Jahrhundert. Eine Luke öffnete sich an der Wand neben der C-4-Bombe. Er schluckte. Eigentlich müsste er immer noch im Waffensafe am Boden des Bunkers sein, sein Laptop-Safe, die Waffen im Safe… 

In den letzten zwei Jahren hatte er zu viel Angst gehabt, nach draußen zu gehen. Der Nebel und die Dämpfe, die diesen Bunker zu seinem sicheren Hafen gemacht hatten, waren schließlich immer noch dicht. 

Tom stand auf, ging hinüber zu dem leeren Pillenbehälter. Er war riesig, fast so breit wie sein Schlafzimmer. Er behandelte ihn mit einer Ehrfurcht, von der nicht einmal Gott selbst träumen würde. Er schaute sich die nackten Zementmauern an. Nichts als nackter Beton, wie der Rest der Wände im Bunker. Die einzige brauchbare Nahrungsquelle für das Ödland war ein Brunnen, der einst ein stählerner Aktenschrank war und nun zu einer behelfsmäßigen Blutzelle umfunktioniert wurde. Sam konnte nicht glauben, dass das sein Blut war, und doch trank er es, ohne Reue. Wenn er sterben würde, würde er in Würde sterben. 

Er trat aus dem Bunker und rutschte auf dem zerbrochenen Glas aus, das draußen auf dem Boden verstreut lag. Er sah sich um und nahm die zerstörte Welt, die er mit erschaffen hatte, in sich auf. In der Ferne erblickte er die glänzenden Metalltore nach außen, massiv und wunderschön. 

Nun war es seine Welt. Er war dabei, seine eigene Welt aufzubauen. 

Schweigend machte er sich auf den Weg zu dem Loch und hängte es an ein hydroponisches Ruderboot, das ihm nicht mehr passte. Er schaute es an, als er sich seinen Weg durch das große Loch bahnte, dann schaute er hinauf zu dem wolkenverhangenen Himmel, der dem der Erde so ähnlich war. Er atmete auf und atmete erleichtert durch.

Er würde in einer Welt leben, die er geschaffen hatte.

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