Seine Oase

Scroll this

Dieser Ort ist nicht so, wie er ihn in Erinnerung hat, aber letztlich ist es eine willkommene Abwechslung. Plötzlich hört er hinter sich ein Geräusch. Er dreht sich um, die Augen nach Gefahr suchend, und findet sie auf der anderen Seite des kleinen Hofes stehend, auf den Fluss starrend. Die Sonne war schon vor Stunden fast untergegangen, der Himmel begann sich von bleichem Lavendel in Mitternachtsblau zu verwandeln und der Fluss leuchtet zinnoberrotgold, das Wasser klar und glänzend. Er hört nur das Rauschen des Flusses, ihre Füße bewegen sich, als tanze sie in der kühlen Flüssigkeit, die Brise weht über ihre geschmeidige Form. Sie trägt ein weißes Baumwollkleid und ihr Haar ist über die Schultern gelockert, ein paar verirrte Strähnen umrahmen ihr Gesicht. Alles, was er von ihrem Gesicht sehen kann, sind ein Paar große, funkelnde Augen und das Weiß ihrer Zähne. Das Mondlicht scheint ihre Haut zum Leuchten zu bringen, während es ihr Gesicht erhellt und seltsame Schatten auf ihre Wangen und Wangenknochen wirft. Sie lächelt nicht und gibt keinen Laut von sich und da fällt ihm ein, dass er noch nie irgendwo anders gewesen ist, wo es so schön war wie hier. Sie ist das schönste Mädchen, dem er je begegnet ist, und die Tatsache, dass sie hier mitten im Nirgendwo, mitten in der Nacht, mitten unter ihnen steht, lässt ihn einen scharfen Schmerz in der Brust spüren. 

Er schaut sie an, unfähig seine Augen von ihrem Gesicht zu wenden und er kann erkennen, dass sie den Blick in seinen Augen sieht. Er fühlt, wie die Hitze in seinen Wangen aufsteigt und ihm wird klar, dass er dabei erwischt wurde, wie er das schönste Mädchen anstarrt, das man je gesehen hat. Schnell wendet er seine Aufmerksamkeit wieder dem Fluss zu, dem dunklen Wasser, das in seiner Tiefe brodelt und den Schatten, die das Licht des Mondes wirft. Eine kleine Brise bewegt das dunkle Haar auf ihren Schultern und er geht ein paar Schritte vorwärts, gerade genug, um seine Fingerspitzen an ihre zu legen. Es dauert eine Sekunde, bis sie merkt, dass er sie berührt hat, bis sie aufhört zu tanzen, während er ihre dunklen Augen, ihr strahlendes Grinsen und ihre hellen Lippen in sich aufnimmt. Dann schließen sich ihre Augen und sie lächelt, ein echtes Lächeln, voller Wärme und Verheissung.

Er steht immer noch neben dem Fluss. Er weiß, dass er nicht bleiben sollte, er weiß, dass er gehen sollte, aber er kann sie hier nicht allein lassen. Sie braucht ihn. Sie braucht ihn, so wie er die Nacht überstehen muss, um beim Klang ihrer Stimme in der dunklen Stille seines Zimmers einschlafen zu können, um ihre Arme um ihn zu spüren. Er will bleiben, will an ihrer Seite bleiben, solange er kann. 

Noch nie in seinem Leben war er sich einer Sache so sicher wie jetzt. 

Er lässt seine Zigarette in den Schmutz fallen, tritt dann zurück in den Schatten der Bäume und wacht über das Mädchen, das ihm das Gefühl gegeben hat so unglaublich lebendig zu sein.

How much did you enjoy this Frog?

Click on a star to rate it!

Average rating 0 / 5. Vote count: 0

Spread the word
Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.