Ein kurzes Wiedersehen

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Martin streckte seine Hand aus, als Frida sich abwandte. Die Tür schloss sich, bevor er noch ein Wort sagen konnte. Sollte er ihr nachgehen? Wollte er das? Martin wusste, dass sein Instinkt richtig war, aber er musste es wissen. Frida war die einzige Freundin, die er hatte, solange er sich erinnern konnte. 

Er saß gedankenverloren auf der Bank am Rande der Schule. Es klingelte leise, als die Schulglocke läutete, und Martin schreckte von seinen Gedanken auf. Er nahm sich einen Moment Zeit, um einen kurzen Moment der Gedankenfreiheit zu genießen – betäubende Monotonie der Schule. Er brauchte diese Pause. Es war Zeit, loszulassen, um wieder ein Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. Wenn nur… 

Aber nein, dachte er, sie würde es nie verstehen. Er würde ein paar Jahre warten müssen, aber zumindest könnte er ein letztes Mal für sie da sein. Egal, wie lange es dauern würde, sie würde immer sein Ein und Alles sein.

Martin stand auf, bereit zu gehen. Er musste bereits nach Hause. Er hatte das Gefühl, die letzten drei Monate in der gleichen Position hier verbracht zu haben, einfach nur sitzend und auf die gleiche Stelle starrend. Er hatte wieder an Frida gedacht. Er hatte sie nicht mehr gesehen, seit sie ein paar Wochen zuvor mit ihrem Verlobten weggezogen war. Martin seufzte und ging zu seinem Auto. Als er nach Hause fuhr, fragte er sich, was er sagen sollte. 

“Hallo Frida.” Auf keinen Fall. 

“Wie ist es dir ergangen?” Sie würde nicht antworten. 

“Hör mal, nur… Hör einfach zu.” Schon wieder dieser rührselige Ton. 

“Weißt du, meine Freundin, wenigstens einer von uns…” Du schaffst das, Martin. Du schaffst das, Martin. Du schaffst das. 

“… waren schon lange zusammen.” Du schaffst das. 

“… stand mir sehr nahe…” Du schaffst das. 

“… Frida.” Frida. Nein! 

“Willst du ein Geheimnis wissen?” Sag’s ihr nicht!

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Martin fuhr zu seinem Haus, etwa eine halbe Meile entfernt. Er dachte einen Moment lang an Frida. Wahrscheinlich kümmerte sie sich im Moment nicht einmal um ihn. Hat sie das glücklich gemacht? Wäre sie glücklich, wenn er einfach gehen würde? 

“Hallo Martin.” Er drehte sich um und sah, wie Frida lächelnd auf ihn zukam, den Boden anlächelte. Sie ging weiter auf ihn zu und er blieb an Ort und Stelle erstarrt stehen. “Martin, es ist wunderschön draußen.” 

Einen Moment lang war Martin von überwältigendem Glück und überwältigender Freude und Liebe erfüllt und er lief auf Frida zu, wobei er seine Arme um ihren Hals schlang. “Oh mein Gott, Frida. Es ist so lange her! Wie ist es dir ergangen? Bist du glücklich? Möchtest du einen Ausflug machen?” Und ohne Vorwarnung ließ Martin los, trat zurück und machte selbst einen Schritt zurück. Plötzlich hatte Martin das Gefühl zu ersticken. Seine Kehle schmerzte so sehr, dass er nur noch die Blumen an Fridas Hand riechen konnte. Sie hielt einen Strauß in der Hand. 

“Hey Martin, äh… Wenn du mich nicht so sehr magst, dann…” Ihre Stimme verstummte und sie blickte zu Martin auf, mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen. “Du könntest… äh … mich wieder verlassen.” 

Martin beobachtete sie diesmal aufmerksam. Jedes kleine Detail war da, jede kleine Träne. Es schien alles so perfekt. Er würde den Rest seiner Tage mit ihr verbringen, wie mit jeder anderen glücklichen Erinnerung, die er behalten hatte. 

“Ja, ähm… Das ist gut so. Das ist eine gute Idee. Und, ähm… Es sieht so aus, als ob auf dem Rücksitz eine Kleinigkeit für dich liegt…” Er hörte ein kleines Lachen und wusste, dass Frida glücklich war. Er drehte sich um und ging wieder um das Auto herum, während Frida an der Seite herumlief. Als er sich wieder auf den Fahrersitz setzte, schloss er die Tür, drehte den Schlüssel um und stellte den Motor an. 

Martin konnte sehen, wie sie aus dem Fenster blickte und ihr Haar sanft wogte. Ihre Hand, die die Blume hielt, hatte eine Farbe, die Martin noch nie zuvor gesehen hatte. Ein tiefes, sattes Rot. Er streckte die Hand aus und nahm sie. 

Sie gingen eine Minute lang Hand in Hand zusammen, bevor Frida die Tür öffnete. Gemeinsam gingen sie durch das Haus und auf die Haustür zu. Martin schaute hinüber, wo Frida stand. Als er sich umdrehte, sah er ein Lächeln, kein Lächeln, sondern ein kleines Grinsen. “Martin, ich danke dir für alles…” 

Martin drehte den Kopf und lächelte zurück. Sie wusste nicht, dass er es zu etwas bringen würde, aber sie konnte trotzdem an seinem Glück teilhaben. “Komm schon, steig ein.” Aber sie bewegte sich vorwärts und schwang sanft ihre Arme, als sie die Tür hinter sich schloss. 

Martin saß auf dem Beifahrersitz, als seine Freundin auf die Windschutzscheibe zuging und die Tür schloss, während das Blut an ihrer Hand auf die Blume tropfte, die sie hielt. Sie drehte sich zum Beifahrersitz um.

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